Künstliche Intelligenz, Maschinenlernen, Mensch-Maschine- und Mensch-Roboter-Kooperation, Assistenzsysteme – Gestaltungsmöglichkeiten und Gefahren

– Projekt 6 –

Seit der industriellen Revolution und der Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweise hat sich das Verhältnis von Mensch und Arbeitsmittel, wie es in der handwerklichen Produktion vorherrschte, fundamental verändert. Die Maschine, heute der Computer, Roboter und morgen möglicherweise Formen künstlicher Intelligenz, sind zum einen faszinierende Arbeitsinstrumente und zum anderen oft fremd und bedrohlich. Droht uns in Zukunft eine Herrschaft der „KI“ oder können die Menschen ihre Selbstbestimmung in der Fabrik, in der Entwicklung, im Vertrieb – generell in der „Arbeit 4.0“ – erhalten oder wiedergewinnen?

Die Automatisierung, der Ersatz der menschlichen Arbeit durch Maschinen, ist ein wesentlicher Hebel der Produktivitätssteigerung. Mit der Entwicklung des Computers als informationsverarbeitende Maschine und dem Internet zur Vernetzung der Maschinen und Maschinen-Systeme ergeben sich neue Möglichkeiten der Rationalisierung. Die weitgehende Automatisierung zentraler Wirtschaftsbereiche wird mit großer Wahrscheinlichkeit künftig realisierbar. Gerade in der Industrie und auch der Landwirtschaft ist das Automatisierungspotenzial besonders ausgeprägt. Aber auch in den Entwicklungs-, Vertriebs- und Dienstleistungsberufen trägt IT-Einsatz zur Automatisierung bei. Im Projekt steht damit auch die Frage im Vordergrund, welche die tatsächlichen Möglichkeiten, Reichweiten und Anwendungsfelder von KI und Robotik sind. Damit verbunden ist die Frage nach den ökonomischen Potenzialen und möglichen Veränderungen für (globale) Wertschöpfungsketten.

Eine weitere Fragestellung betrifft die spezifischen Beschäftigungseffekte im Zusammenhang mit den neuen Technologien. Automatisierung bedeutet zunächst grundsätzlich auch den Wegfall von Arbeitsplätzen. Ob dadurch „technologische Arbeitslosigkeit“ entsteht, hängt aber davon ab, in wieweit über die Produktion der Roboter und Computer hinaus durch Produktinnovation neuer privater oder industrieller Konsum angeregt wird (gesamtwirtschaftliche Betrachtung) oder über Exporte Verluste von Arbeitsplätzen kompensiert werden (einzelwirtschaftliche Betrachtung). Nicht zuletzt ist die Frage, ob die weitergehende Automatisierung zur Arbeitszeitverkürzung oder zur Verringerung der Beschäftigtenzahl genutzt wird. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, wie eine zu erwartende ‚Digitalisierungs-Dividende’ genutzt wird und wem sie zugute kommt.

Neben den Folgen für Beschäftigung ergeben sich neue Chancen und Risiken für die Qualität der Arbeit. Es ist möglich, schwere und monotone Arbeit, die auch nach vielen Rationalisierungswellen übriggeblieben ist, auf Roboter und Assistenzsysteme zu übertragen. Zugleich besteht nach wie vor die Gefahr, dass wenig attraktive Arbeiten bei den Beschäftigten verbleiben. Ob Segen oder Fluch der neuen Technologien vorwiegen werden, ist primär eine Gestaltungs-, sowie eine Kosten- und Verteilungsfrage.

Daneben ist die Frage der Freiheitsgrade der menschlichen Arbeit im Digitalen Zeitalter enorm wichtig. Wird die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Computer streng nach MABA-MABA (also, „men are better at“ oder „machines are better at“-Kriterien) und eindimensionalen Kosten-Kriterien bewertet oder auch nach Menschenrechten auf Selbstbestimmung und Autonomie? Es ergibt sich in Arbeitssystemen mit hoher Fachkompetenz der Beschäftigten (FacharbeiterInnen, MeisterInnen, IngenieurInnen), wie sie besonders im europäischen System der dualen Ausbildung entsteht, die Chance, dass die Nutzung der Kompetenz der Beschäftigten menschengerechtere Gestaltungsoptionen auch mit Effizienz, Qualitäts- und damit Kostenvorteilen versieht.

Die Akzeptanz insbesondere höher entwickelter Maschinen-Systeme hängt auch von den Beteiligungsformen und -möglichkeiten ab: Wie werden die bestehenden Mitwirkungsmodelle erhalten und weiterentwickelt? Erfolgen Planung und Entwicklung neuer Anlagen „im Labor“ oder partizipativ? Diese Fragestellung betrifft grundsätzlich die Zentralität und den Grad der Selbstbestimmung menschlicher Arbeit, die ohne die aktive Einbindung und Mitbestimmung der Beschäftigten nicht gelöst werden kann.

Auf einer gemeinsamen Konferenz mit dem Beirat Zukunft der Arbeit der IG Metall im Juni 2017 wurde dieses Projekt gestartet. Wer Interesse hat, sich an dieser Diskussion mit wissenschaftlichen Beiträgen zu beteiligen, ist willkommen. Betreut wird das Projekt von dem Ökonomen Christian Kellermann.