Roboter und Assistenzsysteme – KI und Mensch-Maschine-Interaktion

Künstliche Intelligenz, Maschinenlernen, Mensch-Maschine- und Mensch-Roboter-Kooperation, Assistenzsysteme – Gestaltungsmöglichkeiten und Gefahren

Seit der industriellen Revolution und der Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweise hat sich das Verhältnis von Mensch und Arbeitsmittel wie es in der handwerklichen Produktion vorherrschte fundamental verändert. Die Maschine, heute der Computer, Roboter und morgen möglicherweise Formen künstlicher Intelligenz sind zum einen faszinierende Arbeitsinstrumente und zum anderen oft fremd und bedrohlich. Droht uns in Zukunft eine Herrschaft der „KI“ oder können die Menschen ihre Selbstbestimmung in der Fabrik, in der Entwicklung, im Vertrieb – generell in der „Arbeit 4.0“ erhalten oder wiedergewinnen?

Für die Diskussion der Folgen der „Digitalen Revolution“, des „Second Machine Age“ sind für die Arbeit des IGZA vor allem zwei Dimensionen von Interesse: die Wirkungen auf Beschäftigung und auf die Qualität der Arbeit.

Die Automatisierung, der Ersatz der menschlichen Arbeit durch Maschinen, ist ein wesentlicher Hebel der Produktivitätssteigerung. Mit der Entwicklung des Computers als informationsverarbeitender Maschine und dem Internet zur Vernetzung der Maschinen und Maschinen-Systeme ergeben sich neue Möglichkeiten der Rationalisierung. Die weitgehende Automatisierung der Industrie und der Landwirtschaft werden nicht nur denkbar, sondern auch realisierbar. Auch in den Entwicklungs-, Vertriebs- und Dienstleistungsberufen trägt IT-Einsatz zur Automatisierung bei.

Automatisierung bedeutet zunächst den Wegfall von Arbeitsplätzen. Ob dadurch „technologische Arbeitslosigkeit“ entsteht, hängt auch davon ab, in wieweit über die Produktion der Roboter und Computer hinaus durch Produktinnovation neuer privater oder industrieller Konsum angeregt wird (gesamtwirtschaftliche Betrachtung) oder über Exporte Ratio-Verluste von Arbeitsplätzen kompensiert werden (einzelwirtschaftliche Betrachtung). Nicht zuletzt ist die Frage, ob die weitergehende Automatisierung genutzt wird zur Arbeitszeitverkürzung oder zur Verringerung der Beschäftigtenzahl. Anders formuliert: Wie wird die ‚Digitalisierungs-Dividende’ genutzt, wem kommt sie zugute?

Neben den Beschäftigungsfolgen ergeben sich neue Chancen und Risiken für die Qualität der Arbeit. Es ist möglich, schwere und monotone Arbeit, die auch nach vielen Rationalisierungswellen übriggeblieben ist, auf Roboter und Assistenz-Systeme zu übertragen. Zugleich besteht nach wie vor die Gefahr, dass wenig attraktive Rest-Arbeiten bei den Beschäftigten verbleiben. Ob Segen oder Fluch vorwiegen, ist eine Gestaltungs-, sowie eine Kosten- und Verteilungsfrage.

Daneben ist die Frage der Freiheitsgrade der menschlichen Arbeit im Digitalen Zeitalter enorm wichtig. Wird die Arbeitsteilung zwischen Mensch und Computer streng nach MABA-MABA (also, „men are better at“ oder „machines are better at“-Kriterien) und eindimensionalen Kosten-Kriterien bewertet oder auch nach „Menschenrechten“ auf Selbstbestimmung und Autonomie? Es ergibt sich in Arbeitssystemen mit hoher Fachkompetenz der Beschäftigten (FacharbeiterInnen, MeisterInnen, IngenieurInnen), wie sie besonders im europäischen System der dualen Ausbildung entsteht, durchaus auch die Chance, dass die Nutzung der Kompetenz der Beschäftigten menschengerechtere Gestaltungsoptionen auch mit Effizienz, Qualitäts- und damit Kostenvorteilen versieht.

Die Akzeptanz gerade höher entwickelter Maschinen-Systeme, hängt neben diesen zwei Aspekten auch von den Beteiligungsformen und -möglichkeiten ab: Wie werden die bestehenden Mitwirkungsmodelle erhalten und weiterentwickelt? Erfolgen Planung und Entwicklung neuer Anlagen „im Labor“ oder partizipativ?

Auf einer Konferenz im Juni 2017 werden wir diese Fragen diskutieren und daran im Anschluss eine Forschungsagenda formulieren. Wer Interesse hat, sich an dieser Diskussion mit wissenschaftlichen Beiträgen zu beteiligen, ist willkommen. Betreut wird das Projekt von dem Ökonomen Christian Kellermann.