Arbeitsorganisation, Empowerment und Partizipation in der digitalen Arbeitswelt

Fördert oder verhindert die Digitalisierung der Produktions-, der Wissens- und der Servicearbeit Kompetenzentwicklung, Autonomie und Partizipation der Beschäftigten? Welche Formen von Betriebs- und Unternehmensorganisation haben in der digitalen Welt eine Zukunft? Wie eng beziehungswese weit sind die Gestaltungsspielräume, wie groß die demokratischen Potentiale agiler Arbeit und neuerer, wie auch klassischer mittelständischer Unternehmensformen? Diesen Fragen geht das IGZA mittels komparativer Unternehmensfallstudien in der deutschen Startupszene nach.

Wenn von der Gestaltbarkeit des digitalen Wandels die Rede ist, dann sind nicht nur die neuen Möglichkeiten der Prozessoptimierung oder im Gegenzug dazu das Beharren auf althergebrachten Unternehmensstrukturen angesprochen. Das Potential für gute digitalisierte Arbeit ist vor allem eine Frage ihrer Organisation.

Im Sinne eines Leitbilds für den Organisationswandel hat in jüngerer Vergangenheit vor allem die Softwareentwicklung die entscheidenden Stichworte geliefert. Mit einem kontextspezifisch sehr unterschiedlich ausgelegten Set agiler Organisationsmethoden sind hier beachtliche Erfolge hinsichtlich der Verkürzung von Produktionszyklen und der Kundenanpassung von Produkten erzielt worden. Gerade in Deutschland sind zudem die Potentiale agiler Methoden für die Stärkung der Autonomie von Beschäftigten im Arbeitsprozess, für deren Beteiligung an strategischen Entscheidungen im Unternehmen und für deren Souveränität hinsichtlich der Gestaltung von Arbeits- und Lebenszeit betont worden. Betriebspraktiker erhoffen sich eben jene Produktivitäts- und Humanisierungsimpulse nun auch jenseits der Softwareentwicklung implementieren zu können. Kritische Stimmen halten dieser optimistischen Perspektive den geringen Organisationsgrad agiler Leitunternehmen, die sozialen Kosten der Beschleunigung von Produktionszyklen und die aus permanenter Wiederholung entstehenden Arbeitsbelastungen entgegen.

Die strukturellen Bedingungen unter denen Agilität zu guter Arbeit führt, die Bewertung agiler Methoden vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung der Arbeitsorganisation oder die Bedeutung von Agilität für die Zukunft der Arbeit liegen dabei empirisch noch in weiten Teilen im Dunkeln.

  • Fördert oder verhindert beispielsweise der Einsatz digitaler Technologien in agilen Arbeitsprozessen die Kompetenzentwicklung, Autonomie und Partizipation der Beschäftigten? Entwickeln sich womöglich neue Modelle der Mitbestimmung?
  • Welche Rolle spielen die unterschiedliche Tätigkeiten in der Produktions-, der Wissens- und der Servicearbeit und die jeweiligen Produktkategorien für das Gelingen guter agiler Arbeit?
  • Ist Agilität nur ein Modell für die Softwareentwicklung? Unter welchen Bedingungen lassen sich agile Methoden erfolgreich in anderen Entwicklungs-und Planungstätigkeiten einsetzen?
  • Welche Faktoren begrenzen das Anwendungsfeld agiler Methoden: Spielen etwa, im Sinne eines spezifischen human scale, Unternehmensgrößen eine zentrale Rolle für die Umsetzung agiler Methoden? Wie wirken sich verschiedene Unternehmens- beziehungsweise Teamgrößen beispielsweise auf Arbeitsstress unter agilen Bedingungen aus? Wie eng oder weit sind die Gestaltungsspielräume, wie groß die demokratischen Potentiale agiler Arbeit in klassischen mittelständischen Unternehmensformen im Gegensatz zu schnellwachsenden Startups und traditionellen Großkonzernen?
  • Welche Rolle spielen soziale Faktoren wie die Generationenlage von Beschäftigten und die spezifische Unternehmens- oder Führungskultur für das Gelingen guter agiler Arbeit?
  • Welche Effekte haben die Durchsetzung agiler Arbeitsprozesse mit digitalen Steuerungstechnologien? Tilgen oder erweitern diese die Autonomie von Beschäftigten?
  • Wie steht es in analytischer Hinsicht um Kontinuitäten, Brüche und Parallelen zwischen agilen Organisationsformen und ihren historischen Vorgängern: Wie viel Taylorismus und Lean Organization stecken beispielsweise in den verschiedenen Formen agiler Arbeit?
  • Welche Pfade der Transformation von Leitparadigmen der Arbeitsorganisation lassen sich schon heute innerhalb unterschiedlicher Versionen agiler Arbeit beobachten?

Diesen Fragen geht das IGZA in seinem Forschungsschwerpunkt ‚Arbeitsorganisation, Empowerment und Partizipation in der digitalen Arbeitswelt‘ nach. Interessierte ForscherInnen aus den Bereichen der Ökonomie, Soziologie, Geschichtswissenschaften und verwandten Disziplinen, die zu ähnlichen Themen arbeiten, werden zur Mitarbeit eingeladen. Betreut wird das Projekt vom Soziologen Philipp Staab.