„Vom mechanischen Webstuhl zu Fast Fashion: Zur Geschichte und Zukunft der Textilindustrie“

17. Juli 2017, IG Metall Berlin
Veranstaltung des IGZA in Zusammenarbeit mit re:work und der
IG Metall

War Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten noch eines der Zentren der globalen Textilindustrie, produzieren heute in Süd- und Südostasien Millionen Menschen in Sweatshops. Fast Fashion sowie neue Materialien und Verschiebungen entlang der Wertschöpfungsketen dominieren die gegenwärtigen Entwicklungen in der Textilindustrie.

Welche Rolle spielten und spielen die Automatisierung, gestiegene Produktivität und die Frage der Arbeitskräfterekrutierung in Verlagerungsprozessen? Wie ist das Wechselverhältnis zwischen der Entwicklung des Kapitalismus und der Textilindustrie über die Zeit zu bewerten? Wie stellt sich heute angesichts der technologischen Entwicklungen die Gegenwart und Zukunft der deutschen Textilindustrie dar?

Diese und weitere Fragen wurden aus gewerkschaftlicher, betriebswirtschaflicher und wissenschaftlicher Perspektive im Rahmen der Veranstaltung diskutiert.

Inhalticher Mitelpunkt der Veranstaltung waren die Vorträge des DGB-Vorsitzenden Reiner Hofmann, sowie von Sven Beckert, Autor des Buchs „King Coton“ und Professor in Harvard, und der Wirtschaftsprofessorin Elke Schüßler von der Johannes-Kepler-Universität Linz.

Während Sven Beckert – ausgehend von seinem mehrfach preisgekrönten Werk „King Coton. Eine Globalgeschichte des Kapitalismus“ – den globalen Rahmen für die Entwicklung des Kapitalismus am Beispiel der Baumwolle ausführte, betonte Reiner Hofmann die dringend notwendige internationale Kooperation der überwiegend nationalstaatlich agierenden Gewerkschaften. Elke Schüßler präsentierte ihr Forschungsprojekt zu den Auswirkungen des Einsturzes des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch, bei dem im April 2013 über 1.100 Menschen ums Leben gekommen waren. Das Forschungsprojekt untersucht, wie Unternehmen und Handelsketen auf diese Katastrophe reagierten und welche Veränderungen die Textilarbeiterinnen vor Ort wahrnehmen.

Stimmen zur Veranstaltung

Existenzsichernde Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie sind heute mehr denn je ein Gestaltungsgebot für globale Unternehmen, nationale Produzenten, Staaten, Gewerkschaften und anderer Organisationen der Zivilgesellschaft. Wo Marktlogik Lebensbedingungen unter das Menschenrechtsniveau drückt, gibt es keine nachhaltige Alternative zu Flächentarifverträgen und gesetzlichen Mindestregeln um die bodenlose Lohnkonkurrenz zu stoppen. Offene Märkte werden nur bestehen bleiben, wenn Unternehmen durch ihre Einkaufspraxis Verantwortung für die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Lieferketten mit übernehmen und faire Löhne ermöglichen. Und auch den Konsumenten und Konsumentinnen im reichen Teil der Welt sollte ein gerechter Lohn ihrer Weltbürgerinnen und Weltmitbürger ein paar Euro wert sein.

Frank Hoffer, Executive Director ACT (Action, Collaboration, Transformation)

Videos

  • Vortrag Reiner Hofmann,
    Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)

    (Video– 21 Min)
  • Vortrag Prof. Dr. Elke Schüßler, Johannes-Kepler-Universität Linz

    (Video– 16 Min)